Fototour

Neue Welten – Teil I

Der Plan

Ich hatte mir in den Kopf gesetzt das wunderbare Herbstwetter, welches wesentlich besser war, als an jedem einzelnen Tag in diesem Sommer, auszunutzen und etwas für mein Portfolio zu sammeln.

In Brandenburg gibt es ja viel Natur, sagt man, einzig der Stadtmensch fährt nie raus und beschwert sich über seinen Mangel an Grün. Meine Entschuldigung ist, daß ich morgens um sieben immer denke, ich bin viel zu zerknautscht um jetzt rauszufahren und um zehn, bis ich da bin, ist die Sonne so hoch, dass es nicht mehr lohnt (Fotografen lieben oft die Morgen- und Abendsonne und die grelle Mittagssonne nicht so).
Ich hatte es aber geschafft mich trotz hohem Knautschstatus anzuziehen, einen Kaffee zu kochen, den Rucksack zu packen und um 8:50 im Zug zu sitzen (8:50 ist nicht früh, aber in der Selbständigkeit, da gehen die Zeiten manchmal anders).

Lienewitz

Das Ziel meines Ausfluges sollte Lienewitz sein. Das ist nicht mal ein Ort, sondern ein „Wohnplatz“, also eine „räumlich geschlossene, dauernd bewohnte Ansiedlung“ (Wikipedia) und das wohl immerhin seit dem 18. Jahrhundert.
Will man dort aussteigen, muss man es dem Zugführer mitteilen, da er sonst einfach vorbeirauscht, während man nicht einmal mitbekommt, dass man gerade durch Lienewitz gefahren ist.

Auf meinen Befeh hin, hielt der Zug dann vor einem rumpeligen Bahnhäuschen und als ich ausstieg, stand dort ein netter Herr, der mir ein kleines schmiedeeisernes Törchen aufhielt. Vor dem Bahnsteig ist nämlich ein kleiner Zaun, zur Sicherheit, damit da nicht einfach einer drauf läuft.

So wurde ich an diesem recht dünn besiedelten Ort persönlich begrüst und durch offene Tore in mein Abenteuer begleitet.

Am Wegesrand

Weil ich grundsätzlich immer sehr gut vorbereitet bin, hatte ich mir bei Googlemaps den Weg herausgesucht, der mich zum Lienewitzer See bringen sollte. Da aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle Menschen, die an diesem Wohnplatz leben, auf ein Auto angewiesen sind, hatte wohl noch niemand die Notwendigkeit gesehen, irgendeine Art von Bürgersteig neben die Straße zu bauen, die noch nicht mal über einen nennenswerten Seitenstreifen verfügte. So trampelte ich das nasse Gras der Böschung nieder und ignorierte eisern die Feuchtigkeit, die sich Zehaufwärts in meinen Socken ausbreitete.

Nach ca 100 Metern tauchte dann links der Böschung ein mannshoher Maschendrahtzaun auf, so dass ich gezwungen war, auf den Zentimetern zwischen nichtvorhandenem Seitenstreifen und bis an die Fahrbahn reichendem Maschendrahtzaun mit meinen wirklich teuren Objektiven, meiner Kamera und mir selbst zu laufen. Ich kam mir vor wie eine Großstadtbarbie, die man mit ihren pinken Stöckelschuhen im Dschungel ausgesetzt hatte und die sich nun wundert, warum es gar nicht so fantastisch ist, wie sie es sich ausgemalt hatte.

Als die beiden LKWs an mir vorbeirauschten, presste  ich mich an den Zaun und fragte mich, wieso eigentlich immer ich der absolut einzige Mensch auf diesem Planeten bin, der sich schon so blöd anstellt, wenn er einfach nur zu einem popeligen See gehen will. Der Bernoullieffekt errinnnerte mich allerdings daran, dass ich jetzt nicht jammern, sondern einfach mal weitergehen sollte.

Das Ziel

Da nach einem kurzen Schauer ja bekanntlich immer wieder die Sonne scheint, kam ich nach weiteren 100 Metern auf einen gepflasterten Weg, ohne Autos, aber mit Wald und so wurde ich wieder versöhnt und ging gut gelaunt weiter in Richtung See.

Während ich beobachtete, wie sich das warme Morgendlicht zwischen den Baumstämmen auf den von Tau benetzten Waldboden ergoss, dachte ich schon bei mir, dass dieser Fotospaziergang wirklich eine ganz gute Idee gewesen war. Zwar hätte ich auch eine Stunde früher hier sein können, aber es war lichttechnisch noch nicht zu spät und ich fing an ein paar „Sonnenstrahlen brechen durch die Baumkronen“ Fotos zu machen:

Das fand ich schon gar nicht so schlecht und dachte, dass das ein oder andere Bildchen wohl dabei sein könnte.
Mein Supernavigatorhandy teilte mir mit, dass ich jetzt bitte links abzubiegen hatte, dort müsste dann gleich der Waldsee sein.

Ich ging einen kleinen modrigen Weg entlang und wurde empfangen von riesigen Silhouetten, die sich meterhoch vor mir erhoben. Bäume, die allesamt noch im Schatten lagen, säumten das Ufer und versperrten mir den Blick. Doch zwischen den Stämmen leuchtete es auffallend hell in satten, erdigen Farben.

Eine Ahnung erfasste mich und als ich näher trat, bis an den Rand des Sees, sodass meine Sicht unverdeckt bis ans gegenüberliegende Ufer reichte, blieb ich mit offenen Mund, dem ein kleiner Freudenjapser entglitt, wie vom Donner gerührt stehen und sah das hier:

Ein glatter Waldsee. Mit Spiegelungen. Und strahlendem Sonnenschein. Und kein Mensch.
Ich konnte mein Glück kaum fassen, sah meine noch zu schiessenden Bilder auf dem Titelbild der National Geographic und in einer Bilderstrecke der Geo.
Ich konnte mich nur schwer zurückhalten vor Freude in das klare Wasser zu springen (das sollte tatsächlich noch Thema werden) und hielt mit fiebrigen Wangen und zitternden Händen das Okular an mein Auge.

Danach ging ich einmal um den ganzen See und versuchte dann NICHT über die Straße zum Zug zu kommen… doch das erzähle ich euch nächstes Mal.

One thought on “Neue Welten – Teil I

  1. Yeah, ich kann kommentieren! Die Fotos sind toll geworden, das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt. Und das tapfere Am-Straßenrand-entlangquetschen.;)

    lg,
    Sarah

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