Fototour

Neue Welten Teil III

Gestapelte Aliens

Mein Fotospaziergang um den See hatte mir bisher wunderbare und skurrile Spiegelungen beschert, einen scheinbar verlassenen Wohnplatz und die Erkenntnis, dass ganz allein zu sein mehr Angst vor Menschen generiert, als umgeben von ihnen zu sein.

So komme ich nun also zu letzten Teil meines Ausflugs, der sich damit einleitete, daß ich stapelweise seltsame, kleine Lebewesen sah, die weder dem Pflanzen- noch dem Tierreich zugeordnet werden konnten.

Sie kamen in großen und kleinen Gruppen vor, standen dicht neben- und übereinander und erinnerten mich an eng gebaute Häuschen auf einem steilen Hügel. Jedes schief und wackelig und würde man nur eines herausziehen, fiele der gesamte Komplex in sich zusammen.

Voller Einsatz

Es waren natürlich Pilze. Wobei ich überhaupt nicht sagen kann, WAS für Pilze. Ich kenne mich mit Pilzen erschreckend wenig aus, ich weiß gerade einmal, daß sie weder zur Pflanzen noch zur Tierwelt gehören und unter der Oberfläche weitaus größer sein können, als man es vermutet.
Ein Facebookaufruf ergab, daß es sich um Schwefelköpfe handeln könnte. Nun denn.

Die kleinen Gesellen hatten es mir zumindest so sehr angetan, daß ich mich bäuchlings auf das nasse Laub legte, um auf „Augenhöhe“ mit den Männleins zu sein und da schließlich kein Mensch weit und breit anwesend war, würde auch niemand über meine Beine stolpern.

Verschiedene Wasserwesen

Ich war jetzt zu 80% um den See herum gegangen und beschloss, dass es nun reichte, da sich nichts eklatant Neues mehr zeigen würde. Das stimmte natürlich nicht, nun gut, vielleicht das „eklatant“, aber eine kleine Gruppe Mandarinenten bezirzte mich, sowie ein moosbewachsener Baumstamm und… ja, es gibt IMMER was zu fotografieren und wenn man Hunger bekommt, MUSS man eben einfach irgendwann aufhören.

Genau in dem Moment, als ich die Luft anhielt, um die kleinen Mandarinenten zu fotografieren, hörte ich das Geräusch einer im Wasser landenden Ente. Einer großen Ente. Einer überdimensionierten mega Ente.
Gut. Es musste ein Mensch sein. Ich überschlug die Wahrscheinlichkeiten, dass es ein Meuchelmörder war (im Wasser??), ein komisches Wasseralien (Akte X Konsument in der Jugend) oder ein Bewohner des trumanschen Wohnplatzes und entschied mich für letzteres.

Fünf Baumstämme und drei Pilze weiter, ich lag gerade seitlich auf der Erde und widmete mich der x-ten Spiegelung, kam eine ältere, äußerst schlanke, in schicken Outdoorklamotten gekleidete Frau vorbei und grüßte mich amüsiert.
Ich dachte daran, daß sie einen glasklaren See vor ihrer Haustür hatte, in welchem sie jeden Morgen mutterseelenallein Schwimmen konnte und das dass vielleicht einer dieser Gründe ist, warum Menschen aufs Land ziehen.

Theorie versus Wirklichkeit

Die Idee

Ich wollte mich nun auf direktem Wege zum Bahnhof begeben und da ich keine Lust mehr auf dieses „am Straßenrand entlangquetschen“ hatte, beschloss ich querfeldein durch den Wald zu gehen. Mein Superhandy zeigte mir auf Googlemaps ein paar Wege, zu denen ich gelangen könnte.

Ich stieg einen kleinen Hügel hoch, allerdings nicht ohne ein warnendes Bauchgefühl, ob das die richtige Entscheidung sei, da ich aber ein Angsthase bin, habe ich sehr oft ein warnendes Bauchgefühl und würde ich ihm immer nachgeben, nun, wahrscheinlich wäre ich nicht mal geboren (dazu muss ich sagen, ich bin mit Kaiserschnitt geboren, also wäre ich selbst wahrscheinlich wirklich nicht raus gekommen).

Aber relativ bald stiess ich auf eine Art Trampelpfad, folgte diesem und lobte mich noch, ob meiner Entscheidung, bis ich feststellte, dass die Wege, zu denen ich wollte, auf der anderen Seite von Bahngleisen lagen, die mir das Supergoogle nicht angezeigt hatte.

Die Hindernisse

Auf den Gleisen arbeiteten gerade Männer und ein sehr großes Schild warnte eindringlich vor der Überquerung.
Mit dezent gedämpfter Euphorie beschloss ich nun, einfach an den Bahngleisen entlang zu gehen, schließlich haben diese ja meist die Eigenschaft zu einem Bahnhof zu führen.
Leider, und wer konnte das ahnen, führte der Bereich neben den Gleisen immer weiter steil bergab, uns trennten letztendlich 5 – 10 Höhenmeter (vielleicht waren es auch 100, wer weiß das schon). Ich war in einer Art Senke, zumindest war es sehr abschüssig und der einzige Weg weiter, wäre, eine enorme Regenrinne hochzuklettern, was aus rein physikalischen Gründen unmöglich erschien.

Die Einsicht

Ich suchte dieses Tal nach irgendwelchen anderen Auswegmöglichkeiten ab, ausser der zurück, doch als mein Blick auf eine dunkel glänzende, schlammige Lache fiel, wußte ich, es gibt nur diesen einen Weg zurück.
Ich sah bereits den größten Eber ganz Brandenburgs auf mich zu brettern, Feuer in seinen Augen und Hass im Blut auf die, die es wagt dieses, sein, Territorium zu betreten.

Ich begann zu singen, um meinen eigenen Puls nicht mehr zu hören und fand es faszinierend, dass andere in den Urwald reisen um wahre Abenteuer zu erleben, mir hingegen reicht ein beforsteter Wald und etwas Schlamm, um mich um den Verstand zu bringen.

Die Rückkehr

Ich folgte dem Trampelpfad bis hin zum gepflasterten Weg, ging ihn bis zur Straße ohne Fußgängerweg, drückte mich an den Maschendrahtzaun und gelangte schließlich zum Bahnhof. Ich wartet 40 Minuten auf den Zug, klingelte kurz vorher, damit mich der freundlich Bahnwärter auf das Gleis lies und zuppelte 10 Minuten lang nach Hause, wo mich die Zivilisation wieder sicher in ihre stinkenden Arme nahm.

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