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Neue Welten Teil II

Des Fotografen Euphorie

Ich konnte mein Glück noch immer kaum fassen.

Hier stand ich, an diesem wunderbaren und von einer fulminanten Herbstsonne bestrahlen See und blickte auf diese Spiegelungen… Ich wollte mich spontan selbst klonen, um hier, genau an diesem Platz, ganz viele Fotos zu schiessen und gleichzeitig weiter zu eilen, damit ich jedes wundervolle Eckchen ablichten konnte, bis die Sonne zu hoch stünde und alles furchbar grell würde.

Da man heutzutage aber noch alles selber machen muss, knipste und knipste und knipste ich, wechselte die Objektive im Minutentakt und zoomte mit meinem 200mm Klopper so nah ran, wie es eben möglich war. Dann sah ich, kniend in der feuchten Erde, durch das Okular keinen Himmel mehr, nur Bäume, die nach oben und unten wuchsen, ausgehend von einer schnurgeraden Symmetrieachse. Jegliche Orientierung ging verloren, vielmehr schien dieser See ein riesiger Rorschachtest zu sein, den man mit brauner, gelber, orangener und ein bißchen grüner Tinter großzügig bekleckst hatte. Welches Persönlichkeitsmerkmal sich daraus ableiten lässt, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

Seahaven

Um den See zu umrunden, musste ich erst einmal das Ufer wieder verlassen und durch eine kleine Strasse, die sich als ausgesprochen pitoresk darstellte, wandern. Rechts und links standen eingie wenige, aber wunderschöne Häuser und ich fragte mich, ob dies dieser sogenannte „Wohnplatz“ sein sollte. Des weiteren fragte ich mich, ob das hier nicht nur einfach alles Kulisse war, aufgebaut um versprengten Besuchern wie mir einen Ort vorzugaukeln, eine Art Trumanshow, wunderschön, aber seltsam irreal.

Nur, sollte dies meine eigene Hansenshow sein, dann hatten entweder die Statisten frei oder es war eben kein Budget mehr übrig gewesen (da ich aus der Filmbranche komme, würde ich auf Letzteres tippen).
Weder in den Gärten, noch hinter den Vorhängen, geschweige denn in irgendwelchen Autos war auch nur eine Menschenseele zu erkennen. Nicht mal eine Hundeseele.

Ich war ein bißchen froh, daß ich mir noch nicht „Es“ im Kino angeschaut hatte und beschloss für meine nächsten Ausflüge ein Survivalkit mitzunehmen, welches aus irgendwelchen Selbstverteidigungs­instrumenten bestehen sollte, die ich allerdings noch recherchieren müsste.

Doppelsternsystem

Relativ bald verwandelte sich die befestigte Straße wieder in einen sich gabelnden Waldweg, dessen linker Pfad mich zum hellerleuchteten, sonnendruchfluteten Ufer brachte.
Da es sich mit Sonnenbrille eher schlecht fotografiert, ärgerte ich mich auch nur ein ganz klein wenig, dass ich meine vergessen hatte, allerdings wurde das pure Sehen zur Herausforderung, da nun zwei Sonnen in meine Iris ballerten. Einmal die echte und einmal die im See.

Des Weiteren machten die beiden Sonnen das, was Sonnen eben so machen, sie wärmten. Ich bin auch überaus dankbar, dass sie das tun, sonst gäbe es kein Leben, etc. pp.. Allerdings kapitulierte mein Kühlsystem ob des Zwiebellooks, den ich mir verpasst hatte. Ich stopfte also meinen Pulli in den Rucksack, knotete die Jacke um meine Hüfte und marschierte dampfend und mit zugekniffenen Augen zu den nächsten Sehenswürdigkeiten.

Hier lasse ich die Bilder einfach mal für sich sprechen.

Also fast. Denn diese im Wasser liegenden Baumstämme… also die waren wirklich WIRKLICH faszinierend!

Insektenwesen

Ich fragte mich, ob sie von diesem letzten, seltsam kurzen, aber heftigen Sturm entwurzelt worden waren. Andererseits sollten sie dann aber noch ein paar Blätter an ihren Ästen haben. Oder würden nach gut 10 Tagen bereits alle Blätter abgefallen sein?

Wenn also die Bäume NICHT vom Tief Xavier in den See geschlagen worden waren, dann hatte man hier solche Holzgerippe einfach liegen lassen und ich fand das war eine wundervolle Sache. Es machte ja auch Sinn, schließlich konnte nun sowieso keiner mehr davon erschlagen werden. Und als Fotomotiv… sie waren ein ausserordentliches Fotomotiv.

Eine morbide Ruhe ging von ihnen aus, wie sie so friedlich auf ausgesprochen ruhigem Wasser lagen. Doch ihre kahlen Äste ragten in Höhe, durch die Spiegelung verdoppelt und so wurden aus ihnen krakelige Wesen, insektengleich, die dort warteten, wie Geister aus einem verstörenden Kindheitstraum.

Ich war immer noch sehr sehr froh in letzter Zeit keinen einzigen Gruselfilm angeschaut zu haben.

Vom Großen zum Kleinen

Hiernach gelangte ich wieder in etwas schattigere Gefilde. Aber nicht minder erstaunlich. Schweifte mein Blick bisher über das Große und Ganze, so wurde er nun auf das Kleine und unscheinbare gelenkt. Und wenn man sich selbst ganz klein macht und sich ganz nah heranpirscht, dann findet man dort wieder eine ganze Welt, ja sogar riesige Städte und regelrechte Dynastien!

Was ich meine… erfahrt ihr im dritten und letzten Teil. Und: Das Wasser beherbergte tatsächlich noch ein Geheimnis…

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